Brauner und weißer Hund mit pinkem Geschirr schnuppert aufmerksam am Waldboden

🐾Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen … Warum dieser Spaziergang mit meinem jagdlich motivierten Hund eine sehr wertvolle Lektion für mich war

🐾Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen … Warum dieser Spaziergang mit meinem jagdlich motivierten Hund eine sehr wertvolle Lektion für mich war

Es war ein schöner Sonntagnachmittag. 🌦️

Nach zwei Wochen Hitze hatte es endlich begonnen, ganz leicht zu regnen – so ein angenehmer Sommerregen, bei dem man trotzdem gerne draußen unterwegs ist.

Ich freute mich darauf, mit meinem Hund Chiquito einen schönen Spaziergang zu machen.

Woran ich überhaupt nicht mehr gedacht hatte, war etwas ganz anderes.

Nach einer langen Hitzeperiode sind viele Geruchsmoleküle am Boden gebunden. Beginnt es dann leicht zu regnen, befinden sich plötzlich unzählige davon genau in Hundenasenhöhe.

Schon nach kurzer Zeit entdeckte ich rechts von uns, ungefähr hundert Meter entfernt auf einem Feld, einen Fuchs. 🦊

Chiquito hatte ihn noch gar nicht gesehen. Der Fuchs musste aber genau dort entlanggelaufen sein, wo wir jetzt unterwegs waren.

Ich sagte zu ihm: „Ja genau, Chiquito. Da ist ein Fuchs gelaufen. Schau mal, wo der hergekommen ist.“

Und tatsächlich nahm er sofort die Spur auf.

„Super machst Du das. Genau. Ja, schau mal. Da ist er entlanggelaufen.“

Ich lobte ihn immer wieder und wir gingen gemeinsam ein ganzes Stück auf dieser Spur entlang.

Wir liefen weiter den Feldweg entlang. Schon nach kurzer Zeit hatte Chiquito wieder eine Spur entdeckt. Seine Nase wieder am Boden, zog er zielstrebig nach vorne und die Schleppleine war komplett auf Spannung.

Und dann rutschte ich auf dem nassen Schotter das erste Mal aus.😅

„Aua … na super.“

Natürlich hatte ich eine kurz Hose an und schürfte mir gleich beide Knie auf.

„Chiquito, bleib bitte mal kurz stehen. Ich muss erst wieder aufstehen.“

Das machte er dann auch.

Ich streifte mir in aller Ruhe die kleinen Steinchen von den Knien, verteilte ihm ein paar Leckerlis und wir machten erst einmal eine kleine Pause. Ich atmete ein paar Mal tief durch. Dann gings wieder weiter.

Während wir weiterliefen, sprach ich natürlich die ganze Zeit mit ihm.

„Ja, ich sehe das Biotop da vorne auch. Da gehen wir jetzt entlang. Und ich weiß, links im Wald sind meistens Rehe. Die besuchen wir heute aber nicht. Wir gehen geradeaus weiter.“

Natürlich wurde er während des Laufens immer wieder gelobt.

Die Spur führte weiter an der Straße entlang, bis sie schließlich nach links auf einen geteerten Feldweg abbog. Oberhalb davon waren frisch gemähte Wiesen.

„Schau mal, Chiquito. Jetzt gehen wir da hoch. Da sind bestimmt auch ganz viele Tiere unterwegs gewesen. Den Spuren können wir jetzt ein bisschen folgen.“

Ich dachte noch:

Ach, wie schön. Das wird bestimmt ein wunderschöner Spaziergang.

Ja …

Pustekuchen. 🙈

Die Gerüche mussten für Chiquito überwältigend gewesen sein. Ich stelle mir das ungefähr so vor, wie wenn wir Menschen in ein Parfümgeschäft kommen und gar nicht wissen, an welchem Duft wir zuerst riechen sollen.

Er wurde immer schneller.

„Chiquito, gehst du bitte ein kleines bisschen langsame? Bergauf habe ich leider nicht ganz so viel Puste wie Du.“

Er schaute sich tatsächlich immer mal wieder nach mir um, wurde kurz langsamer und ich lobte ihn natürlich wieder.

Dann lief er schnurgerade eine Spur den Hang hinauf.

Ich lief natürlich weiter mit viel begleitender Kommunikation und Lob hinterher.

Schließlich hing ich ja an hinten an der zwanzig Meter langen Schleppleine.

Keine zwei Minuten später rutschte ich auf dem nassen Gras erneut aus und landete der Länge nach auf dem Boden. 🤦‍♀️

„Chiquito, jetzt hat es mich schon wieder hingehauen. Komm bitte einmal kurz zurück oder bleib wenigstens stehen, damit ich wieder aufstehen kann.“

Nach kurzer Zeit kam er tatsächlich zurück, schaute mich an, als wollte er sagen:

Ach, da liegt sie ja.😂

Er blieb einen kleinen Moment stehen, drehte sich wieder um und setzte seine Spurensuche fort.

Nach diesem Erlebnis machten wir erst einmal wieder eine Pause. Es gab ein paar Leckerlis für Chiquito und etwas zu trinken.

Ich musste inzwischen selbst lachen, stand wieder auf und wir gingen weiter den Hang hinauf.

Was ich allerdings überhaupt nicht bedacht hatte:

Irgendwann musste ich diesen Hang auch wieder nach unten.

Mittlerweile war die Geruchsexplosion wahrscheinlich so groß geworden, dass Chiquito mehreren Spuren gleichzeitig folgte und vermutlich selbst nicht mehr wusste, welcher er zuerst nachgehen sollte.

Mit einem Mal zog er ruckartig an.

„Chiquito!“

Dieses Mal wurde ich tatsächlich etwas lauter.

Weil ich überhaupt nicht mit diesem Ruck gerechnet hatte.

Und dann hat es mich so richtig hingeschmissen.

Mitten hinein in irgendetwas, das ganz eindeutig nach Mist roch. 💩

Ich stank wie ein ganzer Misthaufen.

Und als wäre das noch nicht genug gewesen, hatte sich die Schleppleine auch noch um meinen rechten Daumen gewickelt.

Das tat richtig weh.

Ich schimpfte erst einmal vor mich hin.

War dann auch kurz sauer auf Chiquito.

Aber hauptsächlich auf mich selbst.

Für Chiquito war die Spur nämlich immer noch das Spannendste auf der ganzen Welt.

Erst als er merkte, dass die Schleppleine dauerhaft gespannt blieb und niemand mehr hinterherkam, drehte er sich um.

Kam zurück, schaute mich an und „sagte“:

Jetzt liegt sie schon wieder da. 😂

„Chiquito, es wäre jetzt wirklich schön, wenn Du einfach mal kurz hierbleiben würdest.“

Nun ja …

Das machte er natürlich nicht.

Er drehte sich wieder um und folgte seiner Spur weiter.

Und ich?

Lag immer noch im Mist.

Als ich schließlich wieder stand, musste ich über die ganze Situation lachen.😂

Denn eigentlich hätte ich es besser wissen müssen.

Nach einem leichten Sommerregen, der auf eine lange Hitzeperiode folgt, riecht die Welt für einen Jagdhund völlig anders als noch am Tag zuvor.

Und wenn dann auch noch frisch gemähte Wiesen dazukommen, entsteht für viele Hunde eine wahre Geruchsexplosion.

Ich hätte den Spaziergang einfach auf der geteerten Straße fortsetzen sollen. Chiquito hätte trotzdem links oder rechts auf den Wiesen den Spuren folgen können, während ich selbst einen sicheren Untergrund unter den Füßen gehabt hätte.

Na ja …

Man lernt eben nie aus.

Oder besser gesagt:

Nur aus Fehlern kann man lernen.

Und genau deshalb weiß ich heute, was ich beim nächsten Mal wahrscheinlich anders machen würde.

Wahrscheinlich …

Oder vielleicht auch nicht. 😉

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